Entwurf 28. Juli 2000 (*ergänzt 4. Januar 2001) Schill.Stefan@t-online.de
CRASHKURS PHILOSOPHIE
Bei den Indern soll es drei Götter geben.
- einen Gott der Zerstörung (*SHIVA dank KALI bzw. DURGA)
- einen Gott der Verharrung (*VISHNU dank Reinkarnation)
- einen Gott des Neuen (*SHIVA dank PARVATI)
Die drei Götter beziehen sich auf die Zeit!
- die Vergangenheit ist die zerstörte Gegenwart
- die Gegenwart verharrt einen kurzen Augenblick
- aus der Zukunft erwächst die neue Gegenwart
PARMENIDES wettert dagegen:
Das Sein kann nicht entstehen oder vergehen.
Das Sein IST.
Wenn also ein Mensch das Wort sein (bin, bist, ist, sind, seid) denkt,
befindet er sich automatisch im Sein.
Es gibt auch kein Gegenteil von Sein,
es gibt kein NICHTS,
alles ist SEIN!
Sein = Sein (Dieser Ausdruck ist richtig)
Nichts = Nichts (Dieser Ausdruck ist falsch,
da er dem NICHTS ein gleich-SEIN zuschreibt)
Auch das, was wir mit Nichts meinen, wird durch das Sein abgedeckt.
Dies zeigt sich, wenn man das Sein zeitlich auffächert.
nie nicht-Sein leere Menge
manchmal da-Sein Grundmenge
immer Seiend Menge aller Mengen
vorher/nachher a priori/a posteriori Teilmenge
Das Sein vermittelt zwischen dem erkennenden Subjekt und dem erkannten Objekt.
An der subjektunabhängigen Beschreibung von Objekten
versucht sich die formale Logik.
An der objektunabhängigen Beschreibung von Subjekten
versucht sich die Psychologie und die Physiologie/Physik.
Die Synthese von Subjekt und Objekt geschieht beim Denken einer Idee.
'denn DENKEN und SEIN ist dasselbe' (PARMENIDES).
JASPERS ergänzt den Gedanken des PARMENIDES:
'Philosophie will ewige Wahrheit ergreifen.
Ist diese Wahrheit nicht jederzeit die gleiche, die eine und ganze?
Vielleicht
- aber wir bekommen sie sie nicht eindeutig in allgemeingültiger Gestalt
in unseren Besitz.
Das Sein öffnet sich nur in der Zeit, das Wahre in zeitlicher Erscheinung.
In der Zeit aber ist die vollendete Wahrheit nicht objektiv zugänglich.
Weder kann der Mensch als Einzelner noch kann die Geschichte sie anders fassen
als in einer wieder verschwindenden Erscheinung.'
Unsere Ideen von der Wahrheit sind also historisch bedingt.
Je nach dem vorherrschenden Denkrahmen spricht man vom Wesen einer Sache.
WESEN DENKRAHMEN
Körper magisch
Substanz metaphysisch
Materie ökozentrisch
Freiheit anthropozentrisch
# res publica # sozial
# res privata # liberal
Um herauszukriegen, was wahr ist, beruft man sich auf Kategorien,
denn diese führen alle Möglichkeiten auf, wie sich Ideen zueinander verhalten können.
dialogisch
dialektisch
hermeneutisch
dualistisch
# komplex
# einfach
Aus den Ideen bauen sich dann Systeme auf.
Zustand
Zuordnung
Hierarchie
Bezug
# ganzheitlich
# reduktionistisch
Systeme verhalten sich wie Organismen. Sie entstehen und vergehen,
ihr gegenwärtiges Fließgleichgewicht verharrt nur kurze Zeit.
Attraktor
Repellor
Klimax
Gabelung
Als Synthese der Fließgleichgewichte mehrerer Systeme entstehen Reifestadien.
Die Welt (als Ergebnis der Synthese) entwickelt sich also (im Zuge der Evolution) weiter.
Raum - Materie - Gestirne - Leben - Geist - ?
Dieser Reifung folgen dann auch die meisten Wissenschaften.
Astrophysik - Teilchenphysik - Geophysik - Physik - Chemie - Mineralogie -
Biochemie - Bionik - Logistik -
Biologie - Geographie - Geschichte - Kunstgeschichte - Philosophie - ?
Die Wissenschaften werden jedoch keine Weltformel finden,
denn der Mensch ist Teil der Evolution.
Der Mensch ist an bestimmte Bereiche der Evolution mehr oder weniger gut,
an andere überhaupt nicht angepasst.
Nicht alle Wissenschaften können auf die Wahrnehmung des Menschen zurückgreifen.
Die Art der Wahrnehmung äußert sich in der möglichen Präzision der Sprache.
In denjenigen Wissenschaften, wo menschliche Wahrnehmung möglich ist,
stellt es ein Verbrechen dar, darauf zu verzichten.
'Der Tag ist kalt für einen Neger und heiß für einen Eskimo.
Sie legen den Streit bei, indem sie 15° C auf ihrem Thermometer ablesen.
Sie sind stolz darauf, durch Elimination die objektive Wahrheit gefunden zu haben.
... durch Elimination des Negers wie des Eskimos.' (nach RIEZLER)
Die Wissenschaften bis hin zur Logistik sollten eine Formelsprache gebrauchen.
Die Wissenschaften ab der Biologie sollten die normale Sprache gebrauchen.
Oder lässt sich etwa das, was zwischen den Zeilen steht, mathematisch formulieren?